Entwöhnung

Welpen saugen bei der Mutter

Die Entwöhnung des Hundewelpen von der Muttermilch

Im ersten Lebensmonat ernähren sich die Welpen ausschließlich von Muttermilch.
Die Hündin ist Tag und Nacht bei ihrem Wurf, legt sich auf die Seite und hält ihre Zitzen hin, damit die Welpen jederzeit saugen können.
Nach und nach sorgt sie dann für Unterbrechungen in der Dauerversorgung, indem sie das Wurflager für kurze Zeit verlässt.

Mit vier bis fünf Wochen werden die Welpen langsam selbstständiger und aktiver.

Sie laufen umher, erkunden ihre Umgebung und spielen.
Sie müssen nun lernen, sich selbstständig zu ernähren, also statt Muttermilch feste Nahrung zu sich zu nehmen.
Diesen wichtigen Prozess leitet die Mutter ein.
Meist ist ein wenig Strenge nötig, damit die Welpen den Schritt von der »Milchbar« zum Fressnapf machen.

Die Natur hat den Zeitpunkt für diese Umstellung so gewählt, dass die Mutterhündin nicht zu viele körperliche Reserven verliert und dadurch ihr Leben in Gefahr bringt.

Der Prozess der Entwöhnung wird durch Schmerzen ausgelöst, die die Mutter beim Säugen verspürt.
Sobald die ersten nadelspitzen Zälmchen erscheinen, ist es für sie bestimmt kein Vergnügen mehr, wenn acht oder neun Welpen an ihr saugen!
Bis jetzt konnten alle Welpen bei der Mutter trinken, wann sie wollten (oder wenn diese nach kurzer Abwesenheit zum Wurflager zurückkehrte).
Nun aber bleibt die Hündin immer länger fort und wird bei ihrer Rückkehr von einer Meute hungriger Welpen überfallen.

Irgendwann in dieser Zeit steht fast jede Hündin einfach auf und geht weg, wenn ihre Welpen ohne Aufforderung saugen oder zu saugen versuchen.

Oft plumpsen diese dabei unsanft von den Zitzen hinunter, was sie aber keineswegs von neuen Saugversuchen abhält.
Der Moment ist gekommen, wo die Hündin das Nahrungsbedürfnis ihrer Sprösslinge auf eine andere Quelle lenken muss.
In freier Wildbahn wäre es ihr Maul, aus dem sie Futter erbricht, in unserer häuslichen Umgebung ist es ein Futternapf.

Bis die Welpen begreifen, dass sie von nun an feste Nahrung zu sich nehmen werden, hat die Mutter die Saugversuche der Welpen immer wieder freundlich, aber bestimmt zurückgewiesen.

Die erste Warnung ist ein strenger Blick, bisweilen gefolgt von einem Knurren.
Hartnäckige Sauger müssen mit einem Nasenstüber rechnen.
Manchmal scheint die Hündin sogar nach dem Welpen zu schnappen ohne ihn zu berühren.

Die Welpen wissen nicht von Geburt an, was ein strenger Blick oder ein Knurren bedeutet.

Sensible Welpen lernen die Bedeutung dieser Gesten sehr schnell und geben den Saugversuch auf, wenn ihre Mutter sie auf besagte Weise »anschaut«.
Die Selbstbewussteren unter ihnen können eine Mutter dagegen so weit treiben, dass sie in ihrer Abweisung absolut konsequent sein muss.

Aber irgendwann lernen alle Welpen, dass sie der Mutter nicht den Bauch, sondern das Maul lecken müssen, um Futter und Zuwendung zu erhalten.

In freier Wildbahn geben die Hündinnen den Welpen dann wie schon erwähnt erbrochenes Fleisch als »Entwöhnungsnahrung«. Bei unseren Hunden ist es der Züchter, der die Welpen mit fester Nahrung versorgt.
Das ist einer der Gründe, weshalb sie eine gute Beziehung zu Menschen entwickeln und angelaufen kommen, wenn der Züchter sie ruft.

Fast alle Hunde behalten interessanterweise das elementare Begrüßungsritual aus der Welpenzeit bei und begrüßen andere Hunde oder Menschen, indem sie sie beschnuppern oder ihnen durchs Gesicht lecken.

Die Erfahrung und Meisterung der Entwöhnung hilft den Welpen bei der Lösung von Konflikten mit anderen Tieren, Menschen und auch der Umgebung und liefert ihnen eine wirksame Strategie für später, wenn es auch nicht immer nach ihrem Willen geht.
Sie sind dann vielleicht frustriert, finden sich aber rasch damit ab.

Die Entwöhnung wirkt sich nicht nur auf das Verhalten des Welpen aus, sondern auch auf seine Fähigkeit, die Körpersprache anderer Hunde die »Hundesprache« also zu verstehen.

Welpen müssen lernen, die Signale ihrer Artgenossen richtig zu deuten, sei es Beschwichtigung, Kritik oder Ermunterung. Nur dann geht der Welpe später bei anderen ausgewachsenen Hunden nicht zu weit und kann seinerseits die entsprechenden Signale aussenden.

Die Entwöhnung

Die Entwöhnung vollzieht sich nicht nur auf der körperlichen Ebene, sondern betrifft auch die Gefühle und das Verhalten.

Welpen, die von Hand aufgezogen oder der Mutterhündin zu früh weggenommen wurden, bekommen später oft Verhaltensprobleme.

Diese Welpen werden nicht damit fertig, wenn ihnen irgendeine Belohnung weggenommen oder vorenthalten wird.
Sie reagieren dann überreizt oder sogar aggressiv.
Solche Welpen haben häufig Schwierigkeiten mit anderen Hunden.
Erfahrene Hundeführer können ihnen zwar beibringen, Frustrationen zu bewältigen, meist gelingt es aber nur mit professioneller Hilfe, aus dem Welpen einen ausgeglichenen erwachsenen Hund zu machen.

Grafik Welpenfutter